Warum hallt es hier denn nicht?
Ein leerer Raum mit harten Wänden hallt. In einem Seminarraum ist das ein Problem, denn wer einem Vortrag nicht mühelos folgen kann, hört irgendwann auf zuzuhören. Bei uns hallt es nicht — und das behaupten wir nicht nur, wir haben es gemessen.
Im Frühjahr 2023 haben wir dafür den Nachhall im Seminarraum erfasst, mit dem Messmikrofon UMIK-1 und der Software REW (Room EQ Wizard). Ein solches Mikrofon gibt es zum Beispiel bei Amazon (Werbung, Affiliate-Link).
Warum die Nachhallzeit im Seminarraum zählt
Die Nachhallzeit gibt an, wie lange der Schall nach dem Ende einer Schallquelle braucht, um im Raum abzuklingen. Ist sie lang, werfen Wände, Decke und Boden die Schallwellen immer wieder zurück, und sie überlagern den Schall, der direkt beim Zuhörer ankommt. Die Sprache verschwimmt, jedes Wort trifft quasi doppelt und zeitversetzt ein, und Zuhören wird anstrengend.
Für Workshops, Seminare und Vorträge heißt das: Je kürzer die Nachhallzeit, desto besser die Sprachverständlichkeit. Ein leerer Raum hat normalerweise die längste Nachhallzeit, weil nichts im Raum den Schall schluckt.
Was die Messung zeigt
Unser Raum ist leer, und trotzdem ist die Sprachverständlichkeit seit dem Umbau sehr gut. Das belegen die Messkurven direkt unter diesem Text, gemessen vor und nach dem Umbau.
Laut Messkurve lag die Nachhallzeit vor dem Umbau zwischen 70 Hz und 1 kHz bei rund 0,6 bis 0,9 Sekunden. Nach dem Umbau sind es dort rund 0,2 bis 0,6 Sekunden. Ab 70 Hz ist der Nachhall damit massiv gesunken.
Was den Unterschied macht
Dafür sind vor allem zwei Bauteile verantwortlich: Diffusoren und Absorber. Die einen verteilen den Schall, die anderen schlucken ihn.
Diffusoren: den Schall verteilen
Ein Diffusor streut Schallwellen, statt sie geradewegs zurückzuwerfen. Der Schall verteilt sich gleichmäßiger im Raum, störende Echos und Reflexionen werden weniger, der Klang wird klarer und definierter.
Wir haben die Diffusoren an der Rückwand montiert. Bei Seminaren, Workshops und Vorträgen bringt das am meisten: Die Worte des Sprechers werden nicht mehr von der Rückwand zurückgeworfen, die Zuhörer hören die Stimme nicht mehr quasi doppelt, und es ist weniger anstrengend zuzuhören.
Verwendet haben wir Akustikwandpaneele aus Holz und Akustikfilz. Es gibt sie online bei Amazon (Werbung, Affiliate-Link) oder in den meisten Baumärkten. Beim Kauf waren sie in vier Farbvarianten erhältlich. Montiert sind sie an der kompletten Rückwand des Workshopraums und als Verkleidung der Technik unter der Sitzbank. Weil Dübel in unserer Sandsteinmauer schlecht halten, haben wir die Paneele abweichend von der Anleitung mit der Wand verklebt und zusätzlich genagelt.
Absorber: den Schall schlucken
Ein Absorber besteht aus porösem Material wie Schaumstoff, Mineralfaser oder Akustikplatten. Der Schall dringt ein, und seine Energie wird dabei in Wärme umgewandelt, statt zurückgeworfen zu werden. Es gibt Breitbandabsorber für einen großen Frequenzbereich und Absorber für bestimmte Frequenzen. Wichtig ist das richtige Maß: Wird zu viel absorbiert, klingt ein Raum steril und unnatürlich.
Bei uns arbeiten zwei Arten von Absorbern.
Breitbandabsorber aus Steinwolle. Wir haben die Rockwool Trennwandplatte Sonorock WLG 40 verbaut, vor allem in der Decke und, wo es ging, in den Raumecken.
Basotect-Akustikplatten für die hohen Frequenzen. Diese porösen Schaumstoffplatten von Schaumstofflager.de werden einfach in die Decke gesteckt. An den Ecken stehen sie manchmal etwas nach oben, am Effekt ändert das nichts.
Wie das alles im Umbau aussah, zeigen die Bilder unter diesem Text.
Der Nachhall vor und nach dem Umbau


Diffusoren und Absorber
Diffusoren an der Rückwand

Breitbandabsorber aus Steinwolle



Basotect-Absorber in der Decke



